Wo immer es Wasser gibt

Denn das ist es, wo wir alle herkommen und wohin wir zurückkehren wollen.
Von Marilú Gasparo (italienische Version des Artikels siehe unten)

Ich komme aus einem Ort, der von Wasser umgeben ist. Taranto, meine Heimatstadt, ist vom Salzwasser des Meeres umgeben. Taranto hat gelebt und lebt dank seines Meeres. Besondere Ströme von Süßwasser ermöglichen Meeresfrüchte-Farmen, die Fischer-Familien das Leben gegeben haben und es ihnen noch heute geben. Die Geschichte meiner Stadt ist eng mit dem Meer verbunden und ich habe das Gefühl, dass meine Haare und meine Haut, egal wo ich hingehe, immer ein bisschen nach Salz  riechen werden. 

Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ich mich überall dort, wo das Element Wasser präsent ist, zu Hause fühle, dass ich ein Gefühl der Zugehörigkeit finde, dass ich den Rhythmus finde, an den mein Ohr gewöhnt ist. Meine Zugehörigkeit zum Element Wasser finde ich auch am Ufer eines Flusses. Ich spazierte an der Isar entlang, zwischen den Kieselsteinen; da nahm ich vielleicht zum ersten Mal die Schönheit dieser Winterlandschaft wahr, einer Landschaft, die Raum ließ für ein Wiedersehen  mit mir Selbst und mit den tiefsten Gedanken. Bei diesem Spaziergang an einem kalten Dezembersonntag wurde mir wieder einmal bewusst, dass mein Lieblingsplatz in München jene Ufer geworden sind, an denen die Vegetation zeitweise unbewachsen blieb. An sonnigen Tagen glitzert der Fluss, er verwandelt sich. Dort, wo die Steine Hänge bilden, erzeugt das Wasser winzige Wellen, winzige Wasserfälle und dieses rhythmische, fast beruhigende Geräusch.

Rhythmisch, beruhigend, die Musik des Wassers spiegelt überhaupt nicht das im physikalischen Element vorhandene Chaos, die Unordnung, die Entropie wider. „Entropie“ – ein Konzept, das mich an meinen Physikunterricht im Gymnasium zurückdenken lässt. Es wird umgangssprachlich auch als „Maß an Unordnung“ bezeichnet. Ich erinnere mich daran, dass in Flüssigkeiten die Partikel unordentlich sind. Faszinierend ist dann der Gedanke, wie im Chaos aller Dinge Ruhe herrschen kann. Eine Passage aus Herman Hesses berühmtem Roman Siddhartha kommt mir in den Sinn: 

«Gelassen betrachtete er die Strömung des Flusses, nie hatte er Wasser so sehr gemocht wie dieses, nie hatte er so stark und so schön die Stimme und den Sinn des vorbeifließenden Wassers gehört. Es schien ihm, dass der Fluss ihm etwas Besonderes zu sagen hatte, etwas, das er noch nicht kannte, etwas, das auf ihn wartete. (…) Und alles zusammen, alle Stimmen, alle Ziele, alles Sehnen, alle Leiden, alle Lust, alles Gute und Böse, alles zusammen war die Welt. Alles zusammen war der Fluss des Geschehens, war die Musik des Lebens. Und wenn Siddhartha aufmerksam diesem Fluss, diesem tausendstimmigen Lied lauschte, wenn er sich nicht auf das Leid noch auf das Lachen hörte, wenn er seine Seele nicht an irgendeine Stimme band und mit seinem Ich in sie einging, sondern alles hörte, das Ganze, die Einheit vernahm, dann bestand das grosse Lied der tausend Stimmen aus einem einzigen Worte, das hiess Om: die Vollendung.»


Der Fluss des Werdens, die Musik des Lebens, ist es vielleicht das, was uns antreibt, vor einem Fluss zu sitzen? Die Umarmung und der Frieden, den sie uns als Beispiel für “Panta Rhei” nennen – ein dem griechischen Philosophen Heraklit zugeschriebener Ausspruch, der bedeutet, dass alles fließt. Die Magie in dem Gedanken, dass alles aus dem Wasser kommt und dass es vielleicht eines Tages ins Wasser zurückkehrt.

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Ovunque ci sia acqua
Perchè è da li che tutti veniamo e ci vogliamo tornare.

Provengo da un posto circondato da acqua.Taranto, la mia città natale è circondata dall’ acqua salata del mare. Taranto ha vissuto e vive, grazie al suo mare. Speciali correnti di acqua dolce, permettono allevamenti di frutti di mare che hanno donato vita a famiglie di pescatori e la donano ancora oggi. La storia della mia città, è strettamente legata al mare ed io sento, che ovunque vada, i miei capelli e la mia pelle, sapranno sempre un po di sale. E’ forse per questa ragione che in qualunque posto io mi trovi, dove è presente l’elemento acqua, io mi sento a casa, ritrovo una appartenenza, ritrovo quel ritmo a cui il mio orecchio è abituato. Ritrovo la mia appartenenza all’elemento acqua anche sulla riva di un fiume. Passeggiavo lungo il fiume Isar, tra i ciottoli; quando percepii forse per la prima volta la bellezza di quel paesaggio invernale, un paesaggio che lasciava spazio ad una ricongiunzione con l’io e con i pensieri più profondi. Durante quella passeggiata in una fredda domenica di dicembre, ho capito che ancora una volta, il mio posto preferito a Monaco erano diventate quelle sponde, lungo le quali la vegetazione rimaneva a tratti incolta. In quel freddo pomeriggio, la nebbia donava a quel posto, un aurea di magia. 

Nelle giornate soleggiate il fiume brilla, si trasforma. Li dove i sassi creano delle pendenze, l’acqua crea minuscole onde, minuscole cascate, e quel suono ritmico, quasi calmante. Ritmico, calmante, la musica delle acqua non rispecchia affatto il caos presente nell’elemento fisico, il disordine, l’entropia. Affascinante è allora pensare, a come possa esistere calma, nel caos di tutte le cose. Mi torna alla mente un passo del famosissimo romanzo Siddharta di Herman Hesse:

“Serenamente contemplava la corrente del fiume, mai un’ acqua gli era tanto piaciuta come questa, mai aveva sentito così forti e così belli la voce e il significato dell’acqua che passa. Gli pareva che il fiume avesse qualcosa di speciale da dirgli, qualcosa ch’egli non sapeva ancora, qualcosa che aspettava proprio lui. (…) E tutto insieme, tutte le voci, tutte le mete, tutti i desideri, tutti i dolori, tutta la gioia, tutto il bene e il male, tutto insieme era il mondo. Tutto insieme era il fiume del divenire, era la musica della vita.“

“Il fiume del divenire”, “la musica della vita”, è forse questo ciò che ci spinge a sederci di fronte ad un fiume. L’ abbraccio e la pace che ci regala in quanto esempio del Panta rei; il senso di libertà dell’acqua che si limita a fluire.

La magia nel pensare che tutto proviene dall’ acqua e che forse un giorno, all’acqua tornerà. 

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