Die Treppe zum ClubIn

Von Noah Linnenbrügger

Es begann alles mit einem Irrtum.
Pünktlichkeit war schon immer eine meiner Stärken. Um Punkt 19.30 Uhr stehe ich also in der Friedrich-Loy-Straße…und bin beeindruckt. So groß habe ich mir diesen ClubIn gar nicht vorgestellt. Es gibt sogar einen eigenen Empfangsbereich. Ich versuche mich durchzufragen “Wo ist denn das Treffen beim ClubIn heute Abend?” Erster Versuch: Fehlschlag. Das asiatisch aussehende Mädchen scheint weder Deutsch noch Englisch zu sprechen. Meine Interpretation: Naja, das “In” steht ja auch für “International”. Und bei einem internationalen Club kommen halt verschiedenste Leute mit unterschiedlichsten Sprachkenntnissen zusammen.

Der zweite Versuch ist dann “erfolgreicher”. Haupterkenntnis: Ich bin im falschen Teil dieses riesigen Gebäudes, das, wie sich herausstellt, zum Großteil ein Wohnheim ist. Der ClubIn befindet sich im Keller von eben diesem Gebäude.

Eine nette Studentin, die ich später im ClubIn wiedersehen sollte, zeigt mir den Weg zu einer kleinen Seitentür. “Da unten ist es.” Aha, na dann versuch ich mal mein Glück.

Als ich die Treppen zum ClubIn das erste Mal hinunter schritt, konnte ich noch nicht ahnen, dass mich diese zu meiner künstlerischen Ader, einer Selbsterkenntnis und einer tausend Jahre alten Brücke führen sollte. Aber dazu später mehr.


Zunächst ein paar Zeilen zu mir: Ich bin im August 2020 nach München gekommen. Für meinen ersten Job nach dem Studium. Ich habe, während meines Studiums ein Auslandsjahr in Prag verbracht, was mir eine komplett neue Welt gezeigt hat. Bis dahin hatte ich mein ganzes Leben in Deutschland verbracht. Als Teil der Erasmus-Community habe ich Studenten aus der ganzen Welt kennengelernt und war begeistert. Das erste Mal in meinem Leben habe ich einen kurzen Blick in die scheinbar unendliche Vielfalt der Kulturen bekommen. Und so fing alles an. Danach habe ich über AIESEC noch zwei Projekte in Indien und Ägypten gemacht und bin seitdem super interessiert an verschiedensten Menschen aus den verschiedensten Ländern.

Und das bringt uns zurück zu ClubIn.

Darf ich vorstellen…ClubIn!
Ich denke, was den ClubIn am treffendsten beschreibt ist “ein Mix aus verschiedensten Charakteren und Kulturen”. Es ist bemerkenswert, wie gut diese scheinbaren Unterschiedlichkeiten miteinander harmonieren können.
Ich habe selten einen Ort erlebt, an dem sich so viele Menschen mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten und kulturellen Prägungen treffen und es gleichzeitig eine so große Offenheit und Harmonie gibt. Das Miteinander ist sehr respektvoll.

Was der ClubIn und Brückenbauer gemeinsam haben
Ich denke häufig darüber nach, wie es sich anfühlt, neu in ein Land zu kommen und hier noch niemanden zu kennen. Ich stelle mir diese Situation wie eine Insel, umgeben von Festland vor. Eine Insel, von der man den Rest der Welt sehen kann, aber doch vom Rest der Welt abgeschnitten ist. Man gehört (noch) nicht dazu.

Und dann gibt es Organisationen wie ClubIn, die Brücken bauen. 

Beispiele gefällig?

Man hört die Leute am anderen Ufer sprechen, aber man versteht ihre Sprache nicht. Durch die Deutsch-Nachhilfe-Angebote vom ClubIn wird diese Brücke gebaut.
Man kennt noch keine Menschen, welche das gleiche Schicksal wie man selbst teilen. Durch die wöchentlichen Treffs mit anderen internationalen Leuten im ClubIn wird eine weitere Brücke gebaut.
Man sieht Leute beschäftigt zur Arbeit gehen. Aber wie bekommt man in diesem Land überhaupt einen Job? Durch die Bewerbungshilfen von ClubIn wird eine weitere Brücke gebaut.

Beim ClubIn ist für jeden eine Brücke dabei.

Zurück zur Treppe
Als ich die Treppen zum ClubIn das erste Mal hinunter schritt, konnte ich noch nicht ahnen, dass mich diese zu meiner künstlerischen Ader, einer Selbsterkenntnis und einer tausend Jahre alten Brücke führen sollte. Dazu jetzt mehr.

Ich habe meine künstlerische Ader entdeckt. Obwohl mein Kunstlehrer in der Schule stets alle meine Werke liebevoll als “abstrakte Kunst” kommentierte (ich gehe nach wie vor davon aus, dass dies als Kompliment zu verstehen ist) hatte ich seitdem kein großes Bedürfnis nach künstlerischer Betätigung. Dies hat sich durch den ClubIn geändert. Ob es ein selbstgemachter Weihnachtsbaum oder ein selbstgebasteltes Brettspiel ist. Ich habe festgestellt: Kunst kann richtig Spaß machen.

Und dann machte ich meine Selbsterkenntnis. Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Monaten zweimal die Woche im Club gewesen. Es war an einem normalen Freitag im ClubIn, als ich aus dem Hauptraum schöne Klavierklänge vernahm. Meine erste Reaktion: “Seit wann haben wir denn ein Klavier?!” Wie sich herausstellte: Schon die ganze Zeit. Es war mir nur noch nie aufgefallen. Und dass obwohl ich seit einiger Zeit selbst das Klavierspielen angefangen hatte. Selbsterkenntnis: Ich könnte wirklich mehr auf Details achten.
Und dann ist da die tausend Jahre alte Brücke. Diese haben wir bei einem ClubIn-Ausflug nach Regensburg entdeckt. Die “Steinerne Brücke” ist dabei die älteste erhaltene Brücke Deutschlands. Also noch eine weitere Brücke, die ich mit dem ClubIn verbinde:)

Und nun?
Ja, nun geht der ClubIn mit der Zeit und bietet die meisten Veranstaltungen mittlerweile digital und Corona-konform an. Außerdem gibt es Spaziergänge in sehr kleinen Gruppen oder die Möglichkeit, mal auf einen kleinen Tratsch mit dem ClubIn-Team am Büro-Fenster in der Friedrich-Loy-Straße vorbeizuschauen. Und bald wird es hoffentlich auch wieder persönliche Treffen in größerer Runde im Club geben können.
Während ich diese Zeilen schreibe freue ich mich schon darauf, wieder die Treppe in den ClubIn hinunter zu gehen und neue großartige Sachen zu erleben.
In diesem Sinne: Auf Wiedersehen im ClubIn.

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