Systemrelevante Berufe in der Corona-Pandemie

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland wird viel über die Situation von Beschäftigten in sogenannten systemrelevanten Berufen debattiert. Bisher wurde ihre wichtige Arbeit oft unterdurchschnittlich bezahlt und gesellschaftlich wenig anerkannt. Doch während die meisten Angestellten während des Corona-Lockdowns ins Home Office versetzt wurden und soziale Kontakte meiden sollten, bestand ihre Arbeit weiterhin im direkten Kontakt zu Menschen, sogar zu Risikogruppen. Jetzt gelten sie als Held*innen und sollen Prämien erhalten. Unsere Autorin ist Altenpflegeschülerin in einem Pflegeheim und erklärt uns in diesem Artikel ihre Sicht der Dinge dazu. 

Liebe Leser*innen,

In diesem Artikel möchte ich euch berichten, wie sich das Corona-Virus auf die Arbeit in meinem Pflegeheim auswirkt, welche Schutzmaßnahmen getroffen wurden und wie sich die Atmosphäre im Team sowie unter den Bewohner*innen verändert hat. Bitte beachtet, dass es sich dabei um meine persönliche Sichtweise handelt. Aus Datenschutzgründen bleiben mein Name und der meiner Pflegeeinrichtungsname geheim.

Wie ist mein Pflegeheim von dem Coronavirus betroffen? Was ist einer der Vorteile während der Coronapandemie, wenn man 20 km weg von Münchner Innenstadt wohnt? Genau! Nicht viel los 😉 Meiner Meinung nach, kam es meiner Region zugute, dass hier  so wenige Menschen wohnen – davonhauptsächlich Familien oder ältere Generationen – Das Coronavirus hat sich bei uns nicht so schnell verbreitet – Was ein riesen Vorteil für unser Pflegeheim war und bleibt. Bis jetzt so weit wie ich weiß, haben wir keine Coronafälle in unserem Heim gehabt und hoffentlich es bleibt auch so. Denn die Senior*innen gehören zu den Risikogruppen. Was aber ein riesen Problem für das Heim während  der Coronapandemie war: nicht genügend Pflege- und Schutzmaterialen. Die ersten zwei Wochen des Lockdowns gab es keine Lieferungen. Das hieß für uns Pflegekräfte sparsam mit den Schutz- und Pflegematerialen umzugehen. Das heißt eine medizinische Maske nicht weniger als 16 Stunden anzuziehen, was wie alle wissen, nicht besonders viel Schutz bietet. 

             Händedesinfektion, Handschuhe, Kittel usw. gehören zum Alltag in Pflegeheimen. Aber haben sich auch die Verhaltensregeln während der Corona-Pandemie geändert? Absolut! 

Schutzmaßnahmen, die meine Einrichtungsleitung in dieser Zeit vorgenommen hat, sind:

  1. 1,5 Meter Mindestabstand unter  alle Mitarbeiter*innen, das heißt auch unter Kolleg*innen. Außer von den Bewohner*innen natürlich, da die Pflege ist eine Arbeit mit direktem Körperkontakt zu Menschen 
  2. In einem Raum dürfen sich gleichzeitig nur 2 Mitarbeiter*innen befinden. Was sehr nervig war, da wir nicht mehr mal normale Pausen haben können und ein bisschen mit Kolleg*innen reden.
  3. Keinen Aufzug benutzen. Meine Beine brauche ich nicht mehr trainieren;)
  4. 8 Stundenlang Maskenpflicht. Vor dem Corona-Pandemie mussten wir nur bei absoluter Notwendigkeit Masken tragen. Glaubt mir, 8 Stunden mit einer Maske zu arbeiten macht keinen Spaß!
  5. Es dürfen keine Besucher*innen kommen. Ausnahme: wenn jemand verstirbt. 
  6. Man darf keine übliche „Übergabe“ (Besprechung bei Schichtwechsel) mehr machen, was ein wichtiger Aspekt ist, wenn der Spätdienst die Arbeit übernimmt. Natürlich sagt man der Schichtleitung die wichtigsten Aspekte. Aber früher haben wir  ein Problem besprochen und sind zusammen im Team zu einer Lösung gekommen. Das hat uns als Team gefallen. 
  7. Händedesinfektion? Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig! Das gleiche gilt für Handschuhe und den Schutzkittel. Früher mussten wir den Kittel  nur bei Bedarf anziehen, bei Bewohner*innen mit bakteriellen Infektionen. Doch jetzt muss man die bei der Grundpflege von jedem und jeder Bewohner*in anziehen. 

Wie war denn Teamatmosphäre mit all diese Schutzmaßnahmen?
Kalt und verärgert! Menschen sind Gesellschaftstiere. Wenn man keinen üblichen Kontakt mit einander haben darf und ständig daran erinnert wird,  Abstand zu halten,  dann ist man schon ein wenig genervt und gestresst. Wenn noch ähnliche Schutzmaßnahmen auch außer der Arbeit dazukommen, dann ist man noch mehr gestresst. Natürlich alles hängt noch ab von was für eine Persönlichkeit man hat. Ob man eher eine optimistische Persönlichkeit hat oder pessimistische.

Wie hat sich denn das  Leben von Bewohner*innen in dieser Zeit verändert? 
Drastisch! Fast 2 Monaten lang durften keine Besucher*innen mehr ins Heim kommen. Die Bewohner*innen haben sich einsam gefühlt, haben ihre Familie vermisst. Natürlich haben wir dank unserer Betreuungskräfte auch immer versucht, die Bewohner*innen irgendwie abzulenken aber ein wichtiger Teil ihres Lebens war natürlich nicht anwesend. 

Nun wisst ihr, wie sich der Alltag mit Corona für mich als Altenpflegeschüler*in anfühlt. In meinem nächsten Artikel, der bald ebenfalls clubinmuc-blog.de veröffentlicht wird, werde ich der Frage nachgehen: „Sind wir wirklich Held*innen?“ 

Bleibt gesund und optimistisch ✌

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