Bier zum Frühstück

In diesem Artikel wird uns Silvana Andrea von ihren Erfahrungen in Deutschland erzählen. Sie wohnt seit zweieinhalb Jahren in München und kommt ursprünglich aus Bolivien. Sie macht momentan einen Praktikum beim Heideflächenverein im Bereich der Umweltwirtschaft. 

  1. Hattest du vor deiner Einreise in Deutschland irgendwelche Klischees im Kopf? Und was davon hast du tatsächlich am eigenen Leib erlebt?

In Bolivien habe ich in einer deutschen Stiftung gearbeitet und da habe ich meinen ersten Kontakt mit Deutschen gehabt. Auf den ersten Blick sind die Deutsche mir ein bisschen streng, zu ernst, kalt und zurückhaltend vorgekommen. Besonders mein Chef. Er hat mir ständig viele Aufgaben zu Erledigen gegeben, aber auch genügend Zeit dafür. Am Ende des Tages habe ich gemerkt, dass ich eigentlich produktiver war als bei meiner anderen Arbeit. Deswegen habe ich mich entschieden unbedingt nach Deutschland zu reisen, um mich weiterzuentwickeln. Ich habe mir gedacht und war auch darauf vorbereitet, dass viele Deutsche, genauso wie mein ursprünglicher Chef und Kollegen bei der Stiftung, verantwortungsbewusst sein werden. Ehrlich gesagt habe ich da auch recht gehabt. Muss dazu aber sagen, sobald die Arbeit fertig ist, sind die Kollegen auch ganz nett, gelassen und unterhaltsam.

Ich habe in Bolivien von meinen Kollegen bei der Stiftung auch gehört, dass man Bier in Bayern zum Frühstück trinkt und dass Bier in Bayern richtig lecker sei. Ich habe meinen Kollegen erst dann geglaubt, als ich hier in München mein erstes Bier getrunken habe. Mein Gedanke war „Ok, es gibt wirklich ein Unterschied zwischen diesem Bier und dem Bier in Bolivien“. Doch Bier zum Frühstück ist schon ein bisschen übertrieben, dachte ich mir, bis ich auch mal Bier zum Frühstücken getrunken habe. 

  1. Was ist Deine erste Erinnerung an Deutschland?

Das Erste was ich mit meiner Gastfamilie in Deutschland unternommen habe, war Möbel für mein Zimmer bei IKEA zu kaufen. Mein erster Gedanke war „Wow, nur reiche Menschen können sowas haben oder so leben.“ Es gibt nämlich keinen IKEA in Bolivien und ich war von der Größe des Geschäfts fasziniert.

  1. Was gefällt Dir momentan in Deutschland, von der Natur, Kultur und Lebensweise her? Was findest du eher nervig? 

Mir gefällt es sehr, wie hilfsbereit viele Deutsche sind. Am Anfang meines Aufenthaltes in Deutschland konnte ich nicht so gut Deutsch reden und verstehen. Vielen meiner Bekannten und Kollegen hat es nichts ausgemacht mir die Sachen wiederholt zu erklären.

Mir gefällt, wie Deutsche sich für Umweltschutz einsetzen, Müll trennen und ein Recycling-System haben. Mir gefällt, wie sauber die  Straßen im Vergleich zu Bolivien sind. Ohne Müll, der überall herumliegt. 

Mir gefällt besonders die Sicherheit, die ich hier habe. Ich kann ohne Angst bis spät in der Nacht unterwegs sein. Wenn ich mich verlaufen habe, habe ich die Passanten um Hilfe gebeten und sie haben mir geholfen bzw. den Weg gezeigt. In Bolivien ist es gefährlich sich zu verlaufen. Ich muss auch dazu sagen, dass es nicht nur für Frauen, sondern auch für Männern und Kindern hier in Deutschland sicherer ist. 

  1. Woran musstest Du dich in Deutschland gewöhnen?

In Bolivien  sind die Sommer eher kühl, deswegen musste ich mich am Anfang an die heißen Temperaturen des Sommers hier gewöhnen. Ich bin glücklich, dass es hier nicht so viele heiße Monaten gibt.

Das Wasser in Bayern hat ziemlich viel Kalk, meiner Meinung nach. Meine Haut und Haare sind trockener geworden. Ich muss hier extra meiner Haut und meinen Haaren Feuchtigkeit geben, was in Bolivien nicht der Fall war.

Das Essen bzw. Obst und Gemüse schmecken hier anders. Nehmen wir Ananas und Fleisch als Beispiel. Die Ananas schmeckt nicht nach der Ananas, die ich normalerweise in Bolivien gegessen habe. Sie ist weniger süß ja, aber auch dieser typische Geschmack nach Ananas, den ich kenne, fehlt. Fleisch hat weniger Geschmack und ist auch viel teurer in Deutschland im Vergleich zu Bolivien.

  1. Hast Du schon mal hier in Deutschland interkulturelle Missverständnisse erlebt?

Es gab Missverständnisse als ich einen Termin mit jemandem um 16 Uhr vereinbart habe und um 16.30 erschienen bin. Ich meine, diese 30 Minuten machen in Bolivien keinen Unterschied, aber hier doch. Es hat ein bisschen gedauert bis ich gelernt habe pünktlich zu kommen. Ich habe gelernt, dass es besser ist, 10 Minuten zu früh zu kommen als 10 Minuten zu spät.

Eltern in Bolivien sind auch strenger als Eltern in Deutschland, meiner Meinung nach. z.B. Kinder in Bolivien können nicht alles haben, was sie wollen. Es fiel mir deswegen schwer meiner Gastkindern alles zu erlauben, was sie wollten. 

  1. Hast du eine Lieblings Redewendung oder Phrase auf Deutsch, die du lustig findest oder die dir besonders gefällt?

„April April, er weiß nicht was er will!“ Mir gefallen auch solche Redewendungen wie „Oje!“ oder „Alter!“ Ich habe sie nicht aus Büchern gelernt und benutze sie auch in meinem Alltag gern.

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